professoren_webseiten:rebholz:emv-labor
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| professoren_webseiten:rebholz:emv-labor [2026/04/22 09:07] – [Messung leitungsgebundener Emissionen] hrebholz | professoren_webseiten:rebholz:emv-labor [2026/04/22 09:14] (aktuell) – [Aufgabe 11] hrebholz | ||
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| ==== Aufgabe 8 ==== | ==== Aufgabe 8 ==== | ||
| - | Wir haben die Chance unseren Tiefsetzsteller als Sitzheizung | + | Wir haben die Chance, unseren Tiefsetzsteller als Sitzheizung |
| - | der EMV treffen. | + | |
| <WRAP center round todo 60%> | <WRAP center round todo 60%> | ||
| - Recherchieren Sie den normgerechten Aufbau zur Messung der leitungsgebundenen Emissionen und erstellen Sie eine Skizze. | - Recherchieren Sie den normgerechten Aufbau zur Messung der leitungsgebundenen Emissionen und erstellen Sie eine Skizze. | ||
| - | - Welche Grenzwerte gelten für unsren | + | - Welche Grenzwerte gelten für unseren |
| - Erweitern Sie Ihre Simulation des Tiefsetzstellers um die Netznachbildungen. | - Erweitern Sie Ihre Simulation des Tiefsetzstellers um die Netznachbildungen. | ||
| - | Um Vertrauen in das neue Messmittel zu bekommen | + | |
| - | - Schließen Sie einen Signalgenerator an die Netznachbildung an und messen Sie die Emissionen | + | Um Vertrauen in das neue Messmittel zu gewinnen, |
| - | - Entspricht das Ergebnis Ihren Erwartungen? | + | - Schließen Sie einen Signalgenerator an die Netznachbildung an und messen Sie die Emissionen |
| + | - Entspricht das Ergebnis Ihren Erwartungen? | ||
| </ | </ | ||
| + | ===== Teil 3: Tiefsetzsteller / Hardwareaufbau ===== | ||
| + | Im nächsten Schritt betrachten wir die Hardware des Versuchs. Die Schaltung enthält einen einfachen Tiefsetzsteller, | ||
| + | Das Pulsweitenverhältnis kann entweder über den bekannten Timerbaustein NE555 oder über einen kleinen Mikrocontroller eingestellt werden. Die Auswahl erfolgt über Jumper. \\ | ||
| + | Dadurch haben wir die Möglichkeit, | ||
| + | Die **Basisversion** erlaubt eine stufenlose Einstellung der Heizleistung und kann als kostengünstige analoge Einstiegsversion betrachtet werden. In der **Premiumvariante** können sowohl die PWM-Frequenz als auch die Heizleistung digital eingestellt werden. Zusätzlich werden wichtige Parameter auf einem Display ausgegeben, das später in der Anwendung genutzt werden kann. \\ | ||
| + | Die folgende Abbildung zeigt den fertigen Aufbau der Platine: | ||
| + | {{ : | ||
| + | <color # | ||
| + | Die Platine enthält mehrere Jumper zur Aktivierung bzw. Deaktivierung einzelner Filterelemente sowie zur Auswahl zwischen der Ansteuerung über den Timer-IC oder den Arduino. Da ein Jumper gemäß Datenblatt nur etwa 3 A führen kann, werden zur Überbrückung der Gleichtaktdrossel (CMC) bzw. der Induktivität jeweils zwei Jumper parallel geschaltet. Über einen Net-Tie wird die Trennung zwischen Leistungs- und Logikpfad realisiert. | ||
| + | {{ : | ||
| - | ===== Teil3: Tiefsetzsteller / Hardwareaufbau ===== | + | Informationen zu den einzelnen Bauelementen können über den Distributor abgerufen werden: |
| + | {{ : | ||
| - | Im nächsten Schritt schauen wir die Hardware zum Versuch an. Die Schaltung enthält einen einfachen Tiefsetzsteller an dessen Ausgang ein Leistungswiderstand (PTC-Heizelement) angeschlossen ist (Nachbildung der Sitzheizung). | + | Das Platinenlayout beeinflusst stets die Ausbreitungs- und Einkoppelpfade elektromagnetischer Störungen. Deshalb wurden bereits |
| - | Das Pulsweitenverhältnis kann entweder über den bekannten Timerbaustein NE555 eingestellt werden oder über einen kleinen Mikrocontroller. Die Auswahl wird über Jumper eingestellt. \\ | + | |
| - | Dadurch haben wir die Möglichkeit unsere Sitzheizungssteuerung in verschiedenen Versionen unseren Kunden anzubieten: | + | |
| - | Die **Basisversion** stellt die Wärmeleistung | + | |
| - | auf einem Display ausgegeben welches für die spätere Anwendung appliziert werden kann. \\ | + | |
| - | | + | |
| - | {{ : | + | |
| - | <color # | + | Dies wurde bei der Ansteuerung über den Arduino |
| - | Die Platine | + | Für die Platine |
| - | {{ :professoren_webseiten: | + | |
| - | Infos zu den einzelnen Bauelemente können über den Distributor abgerufen werden: | + | * Trennung von Leistungspfad und Logikpfad durch Aufteilung der Masseflächen in Power Ground und Logic Ground |
| - | {{ : | + | * Bereitstellung eines RC-Snubbers zur Dämpfung von Überschwingungen am MOSFET |
| + | * Platzierung von Stütz- bzw. Bypasskondensatoren möglichst nahe an den betroffenen Bausteinen | ||
| + | * Verbindung der Masseflächen an einer „ruhigen“ Stelle | ||
| + | * Ausführung des EMV-Filters ohne durchgehende Massefläche, | ||
| - | Das Platinen-Layout bietet in der EMV immer Ausbreitungs- und Einkoppelpfade an. Deshalb gibt es hier bereits Maßnahmen um negative Auswirkungen zu minimieren. Prinzipiell gilt es, kritische Pfade (Hochstrom, Hochfrequenz, | ||
| - | * Trennung des Leistungpfad und des Logikpfad: Teilung der Masseflächen in Power-Ground und Logic-Ground | ||
| - | * Vorhalt eines RC-Snubbers zur Bedämpfung der Überschwingungen am MOSFET | ||
| - | * Stützkondensatoren/ | ||
| - | * Verbindung der Masseflächen an einer //ruhigen// Stelle | ||
| - | * EMV-Filter ohne Massefläche um galvanisch Weg durch den Filter zu erzwingen | ||
| {{ : | {{ : | ||
| - | Falls Sie das Layout im CAD anschauen | + | Falls Sie das Layout im CAD betrachten |
| + | {{ : | ||
| (Alte Version: {{ : | (Alte Version: {{ : | ||
| - | Sicherlich wurde der Platz nicht optimal ausgenutzt, dies ist aber auch der komfortablen Nutzung der Platine geschuldet. | + | Sicherlich wurde der verfügbare |
| + | ==== Gate-Treiber ==== | ||
| + | |||
| + | In unserem einfachen Tiefsetzsteller wurde in der Simulation und im Grundmodell eine Freilaufdiode verwendet. Dies ist prinzipiell korrekt. Zur Reduktion der Durchlassverluste – an einer Diode fällt stets eine Vorwärtsspannung ab – wird diese in der Praxis jedoch häufig durch einen zweiten MOSFET ersetzt. Daraus ergibt sich die typische Halbbrücken-Konfiguration. | ||
| + | |||
| + | MOSFETs können als spannungsgesteuerte Schalter betrachtet werden. Wird zwischen Gate und Source eine ausreichend positive Spannung angelegt, kann ein Strom zwischen Drain und Source fließen (Drainstrom), | ||
| + | |||
| + | Eine Herausforderung dieser Konfiguration besteht darin, dass das Source-Potenzial des oberen MOSFETs (High-Side MOSFET) nicht auf Masse liegt. Zur Ansteuerung dieses Transistors ist daher eine zusätzliche Schaltung erforderlich. \\ | ||
| + | |||
| + | Hierfür werden häufig sogenannte Bootstrap-Treiber eingesetzt. Dabei handelt es sich um integrierte Schaltungen, | ||
| + | |||
| + | Die folgende Abbildung zeigt die Grundschaltung eines Bootstrap-Treibers aus dem Datenblatt. Das zentrale Element ist der Bootstrap-Kondensator (grün markiert) sowie dessen Ladepfad (orange). | ||
| - | ==== Gate- Treiber ==== | ||
| - | Unseren einfachen Tiefsetzsteller haben wir in der Simulation und im Erklärmodell mit einer Freilaufdiode ausgestattet. Das ist prinzipiell richtig, allerdings wird zur Reduktion der Durchlassverluste (an einer Diode fällt ja stets die Vorwärtsspannung ab) die Diode durch einen zweiten Mosfet ersetzt. Dadurch ergibt sich die typische und oft eingesetzte Halbbrücken-Konfiguration. Mosfets kann man sich als spannungsgesteuerte Schalter vorstellen. Wird eine positive Spannung zwischen den Anschlüssen Gate und Source angelegt, kann ein Strom (positiv wie negativ) durch den Mosfet fließen (Drainstrom, | ||
| - | Sehr häufig werden dazu sogenannte Boot-Strap Treiber eingesetzt. Das sind fertige IC-Lösungen welche zum aktivieren des High-Side Mosfet einen geladenen Kondensator (Boot-Strap Kondensator) mit Gate und Source verbindet. Dadurch wird der Mosfet aktiviert. Während der " | ||
| - | Nachfolgende Abbildung zeigt die Grundschaltung der Bootstrap-Schaltung aus dem Datenblatt. Das zentrale Element ist der Bootstrap-Kondensator (Grün markiert) mit dessen Ladepfad (Orange). | ||
| {{ : | {{ : | ||
| - | In unserem Beispiel wird durch den Steuereingang | + | In unserem Beispiel wird über den Steuereingang |
| + | Da MOSFETs nicht ideal schnell schalten, muss zwischen dem Abschalten des einen und dem Einschalten des anderen Transistors eine Totzeit eingefügt werden. In dieser Zeit sind beide MOSFETs gesperrt. In der vorliegenden Schaltung kann diese Totzeit über das Potentiometer RV4 eingestellt werden. | ||
| ==== NE555 ==== | ==== NE555 ==== | ||
| - | Der integrierte Baustein NE555 ist ein Urgestein | + | Der integrierte Baustein NE555 ist ein Klassiker |
| - | {{ : | + | |
| - | Über das Widerstandsverhältnis in obiger Schaltung | + | Die Eigenschaften des erzeugten Signals werden durch die externe Beschaltung festgelegt. Mithilfe von Widerständen und einem Kondensator |
| + | {{ : | ||
| + | |||
| + | Über das Widerstandsverhältnis in der gezeigten Schaltung kann der Tastgrad (Duty Cycle) des Ausgangssignals eingestellt werden. | ||
| ==== Arduino Nano ==== | ==== Arduino Nano ==== | ||
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| ==== Aufgabe 9 ==== | ==== Aufgabe 9 ==== | ||
| - | Jetzt geht es an die Inbetriebnahme der Schaltung. Organisieren Sie sich dazu im ersten Schritt | + | Nun erfolgt |
| - | Die Platine enthält auch einige SMD Bauteile. Falls Sie Hilfe benötigen | + | |
| - | Lötanleitung [[https:// | + | Die Platine enthält auch einige SMD-Bauteile. Falls Sie Unterstützung |
| - | ]] | + | Lötanleitung: [[https:// |
| \\ | \\ | ||
| Allgemeine Hinweise: | Allgemeine Hinweise: | ||
| - | * Orientieren Sie sich am Labormuster | + | * Orientieren Sie sich am Labormuster. |
| - | * Achten Sie auf die richtige | + | * Achten Sie auf die korrekte |
| - | * Alle ICs, Arduino | + | * Alle ICs, der Arduino |
| - | * Halten Sie sich an die nachfolgende Reihenfolge bei der Inbetriebnahme | + | * Halten Sie sich an die nachfolgende Reihenfolge bei der Inbetriebnahme. |
| - | * Die RC-Snubber (Dämpfungsschaltung parallel zu den Mosfets) bitte noch nicht mit auflöten | + | * Die RC-Snubber (Dämpfungsschaltung parallel zu den MOSFETs) zunächst |
| - | * **Die Filterelemente | + | * **Die Filterelemente |
| <WRAP center round todo 60%> | <WRAP center round todo 60%> | ||
| - | - Nehmen Sie den Timerbaustein und den Mikrocontroller in Betrieb | + | - Nehmen Sie den Timerbaustein und den Mikrocontroller in Betrieb. |
| - | - Überprüfen Sie ob die PWM-Muster richtig | + | - Überprüfen Sie, ob die PWM-Signale korrekt |
| - | - Erklären Sie warum der Duty-Cycle nicht von 0 ... 100% eingestellt werden kann (das ist so gewollt | + | - Erklären Sie, warum der Duty Cycle nicht von 0 % bis 100 % einstellbar ist (dies ist beabsichtigt |
| - | - Löten Sie nun den Treiberbaustein auf und überprüfen Sie ob die Ansteuersignale für den Low-Side | + | - Löten Sie anschließend |
| - | - Welches Signal erwarten Sie für die Ansteuerung des High-Side | + | - Welches Signal erwarten Sie für die Ansteuerung des High-Side |
| - | - Installieren | + | - Bestücken |
| - | - Überlegen Sie sich Kriterien | + | - Überlegen Sie sich geeignete |
| </ | </ | ||
| - | Achtung: Lötzinn ob bleihaltig oder nicht ist enthält | + | Achtung: Lötzinn |
| ===== Teil4: Messung und Entstörung ===== | ===== Teil4: Messung und Entstörung ===== | ||
| Bei der Entwicklung unserer Sitzheizung müssen wir natürlich alle Verkaufsoptionen bei den EMV-Messungen berücksichtigen, | Bei der Entwicklung unserer Sitzheizung müssen wir natürlich alle Verkaufsoptionen bei den EMV-Messungen berücksichtigen, | ||
| - | ==== Allgemeiner Messablauf ==== | + | ==== Allgemeiner Messablauf ==== |
| - | Bevor es losgeht | + | Bevor mit den Messungen |
| - | Der EMV-Prüflan | + | |
| + | Der EMV-Prüfplan | ||
| * Einfache Funktionsbeschreibung | * Einfache Funktionsbeschreibung | ||
| * Blockschaltbild des Prüflings | * Blockschaltbild des Prüflings | ||
| - | * Skizze | + | * Skizze |
| * Einzuhaltende Grenzwerte | * Einzuhaltende Grenzwerte | ||
| * Betriebszustände während der Messung | * Betriebszustände während der Messung | ||
| - | Nach einer erfolgten Messung | + | Nach Durchführung der Messungen |
| - | === Schritt 1: Verifikation | + | === Schritt 1: Verifikation |
| - | + | ||
| - | Diesen Schritt haben wir bereits beim Kennenlernen der Messgeräte durchgeführt. Wichtige Messgeräte müssen nicht nur regelmäßig kalibriert werden, sondern eigentlich vor jeder Messung auf die korrekte Arbeitsweise überprüft werden. | + | |
| - | Stellen Sie sich vor Sie bereiten eine Abnahmemessung vor und durch einen Bedienfehler zeigt ein Messgerät zur geringe Ergebnisse an. Werden daraufhin tausende von Einheiten produziert und eine EMV-Problem wird erst spät erkannt - zum Beispiel | + | |
| - | weil ein Kommunikationsverbindung eines selten genutzten Dienstes ausfällt - hat Ihre Firma ein Problem! | + | |
| - | === Schritt | + | Dieser |
| - | Im nächsten Schritt | + | Ein Beispiel: Wird bei einer Abnahmemessung durch einen Bedienfehler ein zu niedriger Messwert angezeigt und daraufhin eine Serienproduktion gestartet, kann ein später entdecktes EMV-Problem (z. B. Ausfall einer selten genutzten Kommunikationsverbindung) erhebliche Konsequenzen haben. |
| - | keine Störungen | + | |
| - | Auch notwendige | + | === Schritt 2: Verifikation des Systemaufbaus === |
| - | Um hier alle Fehler auszuschließen und um sicherzustellen, | + | |
| - | Frequenzbereich und Bandbreite ein und führen eine Messung durch. Wichtig ist, dass dabei alle Leitungsverbindungen, | + | Im nächsten Schritt |
| + | |||
| + | Neben externen | ||
| + | * zusätzliche | ||
| + | * Hilfsstromversorgungen | ||
| + | * das Messgerät | ||
| + | |||
| + | Zur Überprüfung wird eine **Leermessung** | ||
| + | * der komplette Messaufbau inklusive Verkabelung aktiviert, | ||
| + | * der Prüfling | ||
| + | |||
| + | So kann sichergestellt werden, dass gemessene Signale tatsächlich vom Prüfling stammen. | ||
| === Schritt 3: Bestandsaufnahme === | === Schritt 3: Bestandsaufnahme === | ||
| - | Jetzt geht es darum ein Gefühl dafür zu bekommen | + | Im dritten Schritt wird bewertet, |
| - | und gegenüber | + | |
| + | Die Messergebnisse werden mit den zulässigen Grenzwerten verglichen. | ||
| + | Bei Kundenprojekten | ||
| === Schritt 4: Entstörung === | === Schritt 4: Entstörung === | ||
| - | Die ersten drei Schritte | + | Die ersten drei Schritte |
| - | Falls das alles nichts hilft oder zu wenig Bauraum vorhanden ist muss die Schaltung optimiert werden. In detektivischer Arbeit gilt es dann herauszufinden welche Baugruppe für die Störungen verantwortlich ist um diese dann lokal zu bekämpfen bzw. das Layout ggf. zu optimieren. | + | |
| + | Zur Reduktion leitungsgebundener Emissionen werden typischerweise Filter in den Versorgungsleitungen eingesetzt. Im vorliegenden Versuch können diese einfach durch Entfernen der entsprechenden Jumper aktiviert werden. | ||
| + | In der Praxis müssen geeignete Filterelemente unter Berücksichtigung von: | ||
| + | * Bauraum | ||
| + | * Stromtragfähigkeit | ||
| + | * Spannungsfestigkeit | ||
| + | ausgewählt werden. | ||
| + | Ein wichtiger Ansatz ist die Trennung von Gleich- und Gegentaktstörungen, | ||
| + | |||
| + | Falls dies nicht ausreicht oder kein ausreichender Bauraum vorhanden ist, muss die Schaltung selbst optimiert werden. In einer detaillierten Analyse wird ermittelt, welche Baugruppe die Störungen verursacht, um gezielte Maßnahmen (z. B. Layoutoptimierung) umzusetzen. | ||
| <WRAP center round info 60%> | <WRAP center round info 60%> | ||
| - | Hinweis: | + | Hinweis: |
| - | nahezu identische Ergebnisse. Bewertet werden müssen | + | Bewertet werden müssen die Emissionen an beiden |
| </ | </ | ||
| - | Die Schritte 1 - 3 werden üblicherweise im Prüfplan und Prüfbericht | + | Die Schritte 1 bis 3 werden üblicherweise im Prüfplan und im Prüfbericht dokumentiert und dienen als Nachweis für die Validität der Messergebnisse. |
| + | Finale EMV-Prüfberichte werden nur bei Einhaltung der Grenzwerte veröffentlicht bzw. an Kunden | ||
| + | Maßnahmen zur Entstörung sowie optimierte Schaltungs- und Layoutlösungen stellen unternehmensspezifisches Know-how dar und werden entsprechend vertraulich behandelt. | ||
| ==== Aufgabe 10 ==== | ==== Aufgabe 10 ==== | ||
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| </ | </ | ||
| - | ==== Entstörung ==== | + | ==== Entstörung ==== |
| - | In unserem Beispiel | + | In unserem Beispiel |
| - | verbaut sind, müssen wir davon ausgehen, dass unsere Kunden die schärfsten | + | |
| - | jegliche Filterschaltung in den Versorgungsleitungen gemessen. In der Realität kommt keine Komponente ohne solche Filter am Eingang aus, womit diese immer im Design berücksichtigt | + | |
| - | die Filterschaltung so klein wie notwendig und natürlich auch so günstig wie möglich darzustellen. Daher ist es immer schlauer die Entstehung hochfrequenter Emissionen zu verhindern, also die Störquelle zu reduzieren, als später deren | + | |
| - | Auswirkungen zu unterdrücken. \\ | + | |
| - | Die wichtigsten Layoutregeln lauten hier: | + | |
| - | * Masse stets so niederohmig wie möglich gestalten | + | |
| - | * Rückstrompfade nicht dem Zufall überlassen und dafür sorgen, dass diese nahe der Zuleitung verlaufen können | + | |
| - | * Strompfade bzw. Schleifen so klein wie möglich halten | + | |
| - | Während | + | Dies bedeutet, dass eine gezielte Entstörung erforderlich ist. Bisher wurde der Eingangsfilter bewusst weggelassen, |
| - | Nachfolgende | + | |
| + | Die Herausforderung besteht darin, die Filterschaltung so klein und kostengünstig wie möglich auszulegen. Grundsätzlich gilt: Es ist immer effektiver, die Entstehung von Störungen zu minimieren, als deren Auswirkungen nachträglich zu unterdrücken. \\ | ||
| + | |||
| + | Wichtige Layoutregeln sind: | ||
| + | * Masseverbindungen möglichst niederohmig ausführen | ||
| + | * Rückstrompfade gezielt führen und möglichst nahe an den zugehörigen Hinleitungen halten | ||
| + | * Stromschleifen möglichst klein halten | ||
| + | |||
| + | Im Rahmen der bisherigen Entwicklung wurden bereits | ||
| + | |||
| + | Die folgende | ||
| {{ : | {{ : | ||
| - | Die Gleichtaktspule | + | Die Gleichtaktdrossel (L1) und die Filterinduktivität |
| - | Die im Schaltplan angegebenen Werte sind Richtwerte | + | |
| - | Schauen Sie sich doch einfach mal die Datenblätter der Gleichtaktspule L1 {{ : | + | In einem realen Projekt ist das Filterdesign häufig vorgegeben, |
| - | Dabei sind vor allem die Impedanzverläufe über der Frequenz interessant. Eine Spule soll ja hochfrequenten Strömen blockieren. Das bedeutet natürlich je höher die Impedanz, desto besser für uns. Auffällig ist natürlich jeweils, dass die Impedanz oberhalb | + | |
| - | der Resonanzfrequenz drastisch abfällt.\\ | + | |
| - | ==== Impedanzanalysator ==== | + | Betrachten Sie hierzu die Datenblätter der Gleichtaktdrossel L1 |
| + | {{ : | ||
| + | und der Filterinduktivität L2 | ||
| + | {{ : | ||
| - | Die verfügbaren Kondensatoren (X-Kondensatoren) können wir selber nachmessen mit unserem Impedanzanalysator. \\ | + | Besonders relevant ist der Impedanzverlauf über der Frequenz. Ziel ist es, hochfrequente Störströme zu blockieren, was einer möglichst hohen Impedanz entspricht. Auffällig ist jedoch, dass die Impedanz oberhalb der Eigenresonanzfrequenz der Bauteile stark abfällt. Dies muss bei der Auslegung der Filter berücksichtigt werden. |
| + | ==== Impedanzanalysator ==== | ||
| + | Die verfügbaren Kondensatoren (X-Kondensatoren) können mit dem Impedanzanalysator vermessen werden. \\ | ||
| + | |||
| + | Der Impedanzanalysator dient zur Bestimmung der frequenzabhängigen Impedanz sowie der Phasenverschiebung eines Bauteils. In diesem Fall können Messungen im Bereich von 20 Hz bis 120 MHz durchgeführt werden. Die folgende Anleitung beschreibt die grundlegende Inbetriebnahme des Geräts. | ||
| - | Der Impedanzanalysator dient dazu die Impedanz und die Phasenverschiebung eines beliebigen Bauteils zu ermitteln. In diesem Fall sind mit dem Gerät die Verläufe von 20Hz bis 120MHz darstellbar. Die folgende Einweisung soll helfen den Impedanzanalysator bis zur Betriebsfähigkeit einzustellen. | ||
| {{ : | {{ : | ||
| - | | + | |
| - | - In diesem Beispiel wurde der Messadapter „16047E“ verwendet. In dem Untermenü „Fixture Compen“ wird die Kalibrierung gestartet. Zuerst wird der Messadapter „offen“ kalibriert. Dabei darf kein Bauteil eingespannt sein. Mit dem Button „open“ wird die Kalibrierung gestartet. Mit einem Piepsen ist der Vorgang abgeschlossen. | + | |
| - | - Für den nächsten Schritt wird ein definiertes Bauteil in den Adapter eingespannt (Kurzschlussbügel). Dieses „goldene Plättchen“ ist mit an gerändelten Schraube an dem Messadapter | + | |
| - | - Als nächstes wird im gleichen „Fixture Compen“ Menü die Kalibrierungsoption „Short“ genutzt. Wieder wird mit einem Piepsen den Abschluss des Vorgang bestätigt. Damit ist die Kalibrierung des Messadapter abgeschlossen. Nun können die Bauteile vermessen werden. Das weitere Vorgehen wird Anhand von einem 10nF Keramikkondensator beschrieben. Zuerst wird das Bauteil in den Messadapter eingespannt. | + | |
| - | - Nun sollte Anzeige eingestellt werden. Dies erfolgt im „Sweep Setup“ Menü. Mit der Einstellung „Sweep Type“ und dann auf „Log Freq“ wird der Frequenzbereich logarithmisch dargestellt. | + | |
| - | - Im „Format“ Menü kann zusätzlich sie Y-Achsen Skalierung auf logarithmisch eingestellt werden. | + | |
| - | - Um nun die Anzeigen hinreichend passend darzustellen, | + | |
| - | - Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt im „Analysis“ Menü. Um nun die Werte von der Kapazität, der Induktivität und des Widerstandes zu ermitteln, muss das Untermenü „Equivalent Circut“ ausgewählt werden. Der Sinn dieses Menü ist es die realen Werte des Bauteils mit denen von einer bestimmten Ersatzschaltung zu vergleichen. Wenn die Verläufe der Ersatzschaltung mit denen des realen Bauteils übereinstimmen, | + | |
| - | - Nun muss eine Ersatzschaltung für das Bauteil im Untermenü „Select Circut“ ausgewählt werden. Die Wahl der Ersatzschaltung hängt von der Art des Bauteils ab. | + | |
| - | - Man sollte verschiedene Ersatzschaltungen verwenden und dann über die Plausibilität der berechneten Werte nachdenken. Um einen berühmten Professor zu zitieren: | + | |
| - | - Jetzt versucht das Programm Bauteilwerte zu bestimmen, welche einen Verlauf der Ergebnisse ergeben, die den realen Verläufen möglichst nahe kommen. Bei einfachen Bauteilen, wie diesem Kondensator, | + | |
| - | ==== Aufgabe 11 ==== | + | * In diesem Beispiel wird der Messadapter „16047E“ verwendet. Im Menü „Fixture Compen“ wird die Kalibrierung gestartet. Zunächst erfolgt eine „Open“-Kalibrierung, |
| - | Bei der Auswahl der Filterelemente geht man üblicherweise wie folgt vor: | + | * Für den nächsten Schritt wird ein definierter Kurzschluss (Kurzschlussbügel) in den Adapter eingespannt. Dieses Bauteil ist meist als kleines metallisches Plättchen am Adapter befestigt. |
| - | **Schritt 1:**\\ | + | |
| - | Bestimmen der dominierenden Störgröße (Gleich- oder Gegentaktstörung). Diese Aufgabe haben wir bereits erledigt. Wir kennen nun die Größe gegen die wir hauptsächlich etwas unternehmen müssen. Typischerweise sind Gegentaktstörungen für tiefe Frequenzen dominant, Gleichtaktstörungen für Frequenzen ab ca. 10 MHz. Der Übergang zwischen den dominanten Störgrößen hängt hauptsächlich vom Aufbau ab, wobei es keinen allgemeine Regel gibt in welchem Frquenzbereich eine Störgröße dominiert.\\ | + | |
| - | **Schritt 2:**\\ | + | |
| - | Mit dem Wissen über die dominante Störgröße suchen wir uns nun ein geeignetes Filterelement aus und überprüfen in einer erneuten Messung die Wirkung. Da die Grenzwerte stets auf " | + | |
| - | Filterelement auch eine Wirkung gegenüber | + | |
| - | Bei der Bewertung der Filterelemente stellen wir stets Messungen gegenüber mit / ohne Filterelement sowohl für Gleich-/ Gegentaktwirkung, | + | |
| - | \\ | + | |
| - | **Schritt 3:**\\ | + | |
| - | Wir wiederholen die Schritte mit verschiedenen Filterelementen bis wir die Grenzwerte einhalten oder uns die Ideen ausgehen :-(\\ | + | |
| - | Sollte das der Fall sein bleibt nur noch die Möglichkeit die Filterstruktur zu ändern (also alles von Vorne) oder nach der Quelle der Störungen zu suchen. Ist die Störquelle bekannt | + | |
| - | Filter einzufügen. In vielen Fällen kann ein weiteres Hardwaremuster jetzt nicht mehr abgewendet werden. Für den Projektzeitplan hat dies ggf. fatale Folgen. | + | |
| - | **Glück des Tüchtigen: | + | |
| - | Auch Lösungen die auf den ersten Blick nichts mit den Versorgungsleitungen | + | |
| - | Probieren Sie es doch einfach aus:\\ | + | |
| - | * Filter im Ausgangspfad (an der Last) | + | |
| - | * Ferrite auf der Zuleitung (können zur Not auch noch spät im Projekt angebracht | + | |
| - | * Ferrit im Ausgangspfad (Heizelement) | + | |
| + | - Die Darstellung wird im Menü „Sweep Setup“ konfiguriert. Wählen Sie unter „Sweep Type“ die Option „Log Freq“, um den Frequenzbereich logarithmisch darzustellen. | ||
| - | **Fazit: | + | |
| - | EMV-Optimierungen in einer späten Musterphase (C-Muster bzw. Vorserie) sind viel zu spät. Treten Grenzwertüberscheitungen | + | |
| + | * Für eine optimale Darstellung wählen Sie im Menü „Scale“ die Funktion „Auto Scale“ bzw. „Auto Scale All“. | ||
| + | |||
| + | * Die Auswertung erfolgt im Menü „Analysis“. Um die Bauteilparameter zu bestimmen, wählen Sie das Untermenü „Equivalent Circuit“. Ziel ist es, die Messkurven mit einem geeigneten Ersatzschaltbild zu vergleichen. | ||
| + | |||
| + | * Aktivieren Sie dazu die Optionen „Simulate“ und „Display“. Anschließend wählen Sie im Untermenü „Select Circuit“ ein passendes Ersatzschaltbild aus. Die Wahl hängt vom Bauteiltyp ab. | ||
| + | |||
| + | * Es empfiehlt sich, verschiedene Ersatzschaltungen zu testen und die Plausibilität der berechneten Werte zu prüfen. Ein praktischer Hinweis: Sind berechnete Bauteilwerte negativ, ist das Ergebnis physikalisch nicht sinnvoll. | ||
| + | |||
| + | * Mit dem Button „Calculate“ wird eine Anpassung durchgeführt. Das Gerät bestimmt Bauteilwerte, | ||
| + | |||
| + | * Bei einfachen Bauteilen wie Kondensatoren gelingt diese Anpassung in der Regel sehr zuverlässig. Bei komplexeren Bauteilen kann eine manuelle Nachjustierung erforderlich sein. In diesem Fall können die Parameter im Ersatzschaltbild gezielt angepasst werden. | ||
| + | ==== Aufgabe 11 ==== | ||
| + | |||
| + | Bei der Auswahl geeigneter Filterelemente wird üblicherweise wie folgt vorgegangen: | ||
| + | |||
| + | **Schritt 1:** \\ | ||
| + | Bestimmung der dominierenden Störgröße (Gleich- oder Gegentaktstörung). Diese Aufgabe wurde bereits durchgeführt. Es ist bekannt, gegen welche Störgröße primär Maßnahmen erforderlich sind. Typischerweise dominieren Gegentaktstörungen im niedrigen Frequenzbereich, | ||
| + | |||
| + | **Schritt 2:** \\ | ||
| + | Basierend auf der dominierenden Störgröße wird ein geeignetes Filterelement ausgewählt und dessen Wirkung durch erneute Messungen überprüft. Da die Grenzwerte auf nodale Größen (Bezug zur Referenzmasse) bezogen sind, muss zusätzlich bewertet werden, ob das Filter auch in Bezug auf die Grenzwerte wirksam ist. | ||
| + | |||
| + | Zur Bewertung werden stets Vergleichsmessungen durchgeführt: | ||
| + | * mit und ohne Filterelement | ||
| + | * für Gleich- und Gegentaktanteile | ||
| + | * sowie für die resultierenden nodalen Größen \\ | ||
| + | |||
| + | **Schritt 3:** \\ | ||
| + | Die Schritte werden mit unterschiedlichen Filterelementen wiederholt, bis die Grenzwerte eingehalten werden oder keine weiteren Optimierungsmöglichkeiten ersichtlich sind. | ||
| + | |||
| + | Falls dies nicht zum Erfolg führt, bleibt nur: | ||
| + | * eine Anpassung der Filterstruktur (Neudesign), | ||
| + | * oder die gezielte Analyse und Reduktion der Störquelle. | ||
| + | |||
| + | Ist die Störquelle identifiziert, | ||
| + | |||
| + | **Glück des Tüchtigen: | ||
| + | Auch Maßnahmen außerhalb der direkten Versorgungspfade können wirksam sein. Beispiele: | ||
| + | * Filter im Ausgangspfad (an der Last) | ||
| + | * Ferrite auf den Versorgungsleitungen | ||
| + | * Ferrite im Ausgangspfad (z. B. am Heizelement) | ||
| + | |||
| + | **Fazit:** \\ | ||
| + | EMV-Optimierungen in späten Entwicklungsphasen (z. B. C-Muster oder Vorserie) sind kritisch. Können Grenzwertüberschreitungen nicht mehr durch einfache Bauteilanpassungen behoben werden, ist in der Regel ein neuer Hardwarestand erforderlich. | ||
| <WRAP center round todo 60%> | <WRAP center round todo 60%> | ||
| - | - Messen Sie den Betrag der Impedanz verschiedener Kondensatoren und überlegen | + | - Messen Sie den Betrag der Impedanz verschiedener Kondensatoren und bewerten |
| - | - Suchen | + | - Finden |
| - | - Erklären Sie warum in unserem Beispiel | + | - Erklären Sie, warum in diesem Aufbau |
| - | - Erstellen Sie einen EMV-Prüfbericht mit dem Fazit und Endergebnis | + | - Erstellen Sie einen EMV-Prüfbericht mit Fazit und Endergebnis. |
| </ | </ | ||
| - | Hinweis: Die von uns hier entwickelte Sitzheizung | + | Hinweis: Die hier entwickelte Sitzheizung |
professoren_webseiten/rebholz/emv-labor.1776848853.txt.gz · Zuletzt geändert: 2026/04/22 09:07 von hrebholz
